Gute Photos zu machen ist kein Zufall. Es gehören neben der richtigen Technik, der passenden Ausrüstung und einem guten Auge für Motiv, Situation und Stimmung auch das richtige Timing, Geduld und oftmals eine kleine Portion Glück dazu. Nachdem ich nun viele tausend Bilder ‘geschossen’ habe, merke ich, dass gute Bilder vor allem aus dem Prozess des Ausprobierens, des Lernens und des ‘Sehens’ kommen. Die Kamera ist gar nicht mal soo sehr entscheidend, viel wichtiger sind gute Objektive und vor allem das Auge des Photographen.

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Stativ

Um es vorneweg zu nehmen: alle Bilder in meiner website sind ohne Ausnahme OHNE Stativ gemacht worden. Ich hab nämlich keines. Und ganz provokativ behaupte ich mal, dass man nur in den wenigsten Fällen bei der digitalen Photographie ein Stativ wirklich braucht. Die neuen Objektive mit Vibration Reduction oder Image Stabilization verlängern in vielen Fällen die möglichen hand-hab-baren Verschlusszeiten. Desweiteren sind die meisten Digitalkameras mit ISO-Werten gesegnet, die es erlauben, die Verschlusszeiten entsprechend kurz zu wählen um trotzdem kein unterbelichtetes Bild bei schwachem Licht zu machen.

Ein kleiner Gedankenanstoss: Man kann die Kamera auch auf eine Tasche, Tisch, Stuhl, zusammengelegte Jacke, Autodach, Mauer etc gelegt ruhigstellen. Wenn man dann noch das Photo mit Selbstauslöser macht, gibt es auch keine Verwackler durch das Drücken des Auslösers. Noch ein Gedanke: wer sagt denn, dass ein Stativ immer mannshoch sein muss?! Kleine faltbare Taschenstative sind meist stabil genug, aber eben nicht so gross.

Viele Photographen sagen, dass ein Stativ sie dazu zwingt, das Bild besser zu komponieren. Das Stativ als Seh-Krücke?! Hallo?!

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Linsenblende

Diese soll dazu dienen, dass nicht zuviel Streulicht in das Objektiv eindringt und dann sogenannten ghosts – helle Reflexionsflecken – im Bild erzeugt. Desweiteren ist die Linsenblende ein gewisser mechanischer Schutz. Und natürlich schaut auch eine Linsenblende höchst professionell aus :-o

Mich persönlich stört so eine Linsenblende die meiste Zeit und geht mir fürchterlich im Weg um. Hab ich sie nach vorne gedreht, kommt man kaum mehr an den Linsendeckel ran. Das Objektiv baut dann ziemlich weit vor und ich stosse immer wieder mit dem Objektiv bzw dem Plastikfortsatz irgendwo an.

Ist die Linsenblende nach hinten gedreht, kann ich kaum noch den Zoom-Ring drehen. Desweiteren passt die Kamera nicht mehr richtig in die kleine Schutztasche, die ich habe.

Meine praktische Erfahrung: die Linsenblende bleibt daheim und im Falle von ghosts einfach das Objektiv mit der freien Hand abschatten. Oder einen Standplatz im Schatten suchen. Oder eben nicht direkt in Richtung der Sonne photographieren.

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Manuell vs Automatik

In so gut wie jedem Lehrbuch oder Photokurs wird die Bedeutung von Belichtungsmessung, Tiefenschärfe, Blende, Belichtungszeit, ISO, f/stop, etc erläutert. Es wird gefachsimpelt und die Wichtigkeit von diversen technischen Daten und Testlaborvergleichen herausgestellt. Für den Amateur schaut das erst mal so aus, dass nur die Beherrschung aller Parameter und das wissentliche und willentliche Einstellen von Blende und Belichtungszeit die Hohe Kunst der Photographie ist. So ging es auch mir über viele Jahre und die meisten Versuche der manuellen Einstellung endeten im Desaster: überbelichtete oder zu dunkle, verschwommene oder gar verwackelte Bilder waren das Resultat. Wenn man sich dann noch die tollen Bilder aus GEO, National Geographic oder den diversen Photo-Zeitschriften anschaut – es ist zum Verzweifeln! So wird nie ein guter Photograph aus mir…

In der Tat sind bei vielen Amateuren die Bilder aus der Spiegelreflex-Kamera schlechter als mit einer Point-and-Shoot-Knipse – obwohl das Objektiv deutlich besser ist und die Kamera viel mehr leisten könnte – wenn man sie liese…

Irgendwann ist mir dann aber mal gedämmert, dass gute Photographen zwar das notwendige Wissen um Blende, Belichtungszeiten, ISO, etc haben, aber die Qual der richtigen Parameterwahl in den allermeisten Fällen einfach der Kamera und den entsprechenden Sensoren, Programmen und Algorithmen überlassen :-o

Nikon, Canon und Co bauen nämlich schon seit einigen Jahren gute Kameras. Generationen von Ingenieuren und Photoprofis haben an den Belichtungsmessern, dem Autofocus-System oder den verschiedenen Aufnahme-Programmen gearbeitet und eine Riesenmenge an Erfahrung und Wissen in die Automatik-Programme gepackt. Also gehen die meisten Profis wie folgt vor: Nimm eine Kamera, mache die wichtigsten Grundeinstellungen wie z.B. Farbwiedergabe auf ‘Saturation +2′ (ich liebe kräftige Farben), pack ein gutes und robustes Objektiv vorne drauf (das Glas ist entscheidend, nicht so sehr die Kamera!), wähl den passenden Automatik-Modus und konzentriere dich auf Motiv, Bildausschnitt, Hintergrund und Komposition im Sucher. Einatmen, kurz Luft anhalten, Abdrücken, Ausatmen. Wird das Bild partout nichts, wird eben manuell eingestellt. Wenn man dann abends die Resultate des Photographierens am Computer anschaut, bekommt man recht schnell ein Gefühl für die notwendigen Einstellungen oder Anpassungen, damit die Bilder so ausschauen, wie sie sollen. Auch hier: Übung macht den Meister – und das geht bekanntlich nicht, in dem man nur lesend vor dem Rechner sitzt :-o

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Bevor es zu Missverständnissen kommt:

Alle meine Kommentare in dieser Sektion sind nur gültig für mich und meinen häufigsten Anwendungsfall – eben der digitalen Photographie auf Reisen und tagsüber auf der Strasse.