Anlässlich der Mai-Feiertage in China unternahmen wir wieder eine kleine Kurzreise. Diesmal war unser Ziel Kambodscha und das berühmte Angkor Wat. Das mussten wir ja unbedingt mal gesehen haben, bevor es völlig dem Kommerz und dem Tourismus anheim fällt. Wir flogen direkt nach Phnom Penh und kamen um Mitternacht in unserem vorgebuchten Hotel an. Am nächsten Tag liessen wir uns mit einem Wagen die 314 gut asphaltierten Kilometer nach Siem Reap fahren. Das Hotel de la Paix wurde von Christin mehr per Zufall entdeckt und gehört zur weltumspannenden Reihe von SLH’s (small luxury hotels) – wir fühlten uns auf Anhieb wohl. Trotzdem hielten wir uns nicht allzulange in den bequemen Betten auf: schon am nächsten Morgen reihten wir uns um kurz vor 5 Uhr in eine recht grosse Menge von Touristen ein, die den Sonnenaufgang bei Angkor Wat sehen wollten. Leider hatten wir Pech – bewölkter Himmel – von daher gibt es keine spektakulären Photos mit der Morgensonne, die hinter irgendwelchen Stupas vorblinzelt und alles in ein wunderbar warmes goldenes Licht taucht….

Aber wir waren rege und schauten uns einige der 35 besuchbaren von ‘tausend’ im Dschungel versunkenen Tempel an, fuhren mit einem Boot zu einem floating village auf dem Tonle-Sap-Lake und überzeugten uns davon, dass die Bootsfahrt von Siem Reap nach Phnom Penh eher etwas für Hochwasser ist und hatten sogar noch Zeit für einen Kurzbesuch in einem Waisenhaus. Der Führer war sehr geduldig und erzählte uns viel über Kultur, Vergangenheit und Gegenwart, auffällig war die grosse Zahl von Kriegen, Invasionen und Gegenschlägen. Da Kambodscha keine eigentliche Industrie hat – ok der Tourismus ist die ‘non-smoking industry’ – sieht man auffallend viele Toyota-Pickups und Werbetafeln, die auf die helfende Hand aus dem reichen Ausland hinweisen – CARE, UNESCO, USAID, German Apsara Conservation Project, GTZ und viele andere. Der US-Dollar ist die inoffizielle Zweitwährung und wir hatten bis auf wenige Ausnahmen kaum die lokale Währung Riel in der Hand.

Auf den recht anstrengenden Sightseeing-Tag folgte prompt ein Erholungs- und Ruhetag am Hotelpool und wir genossen von Herzen mal wieder ein gutes Buch in den Händen und etwas Zeit zu haben. Die Rückfahrt nach Phnom Penh machten wir mit einem Überland-Bus – und 6-stündiger Dauerberieslung mit kambodschanischer Liebesschmacht-Karaoke. Da benötigt auch der hartgesottenste Tourist erst mal ein kaltes Bier – welches wir stilecht im FCC (Foreign Correspondence Club) am Ufer des Mekong-Rivers einnahmen. In einer Atmosphäre, in der sich Hemingway und Co wohlgefühlt hätten, genossen wir das gute Bier vom Fass und die Tatsache, dass wir wieder einmal reisen konnten….

Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei und nach einer kurzen Stadtrundfahrt im Tuk-Tuk und einem Besuch im Kaiserpalast machten wir uns schon wieder auf den Rückflug nach Shanghai.

Bester Ausspruch der Reise sagte ein Reiseführer als er die ausgestellten königlichen Gewänder kommentierte: This is a dress of the queen mom – you see, she was very slim. But now she is a little bit very fat….

Ein paar interessante Strassenszenen und Einblicke in das Transportwesens Südostasiens hab ich auf der Fahrt von Phnom Penh nach Siam Reap aufgenommen und unten mit eingestreut.