Eisfestival in Harbin – darauf waren wir lange heiss!

Jeden Januar wird im äussersten Norden Chinas, nahe der Grenze zu Sibieren, ein Eisfestival gemacht. Dazu wird aus dem meterdick gefrorenen Fluss grosse Eisquader herausgeschnitten, Schnee zusammengeschoben und die wahnwitzigsten Gebäude, Skulpturen und Formen aus Eis und Schnee gebildet. Es gibt richtige Wettbewerbe und rund um das Ausstellungsgelände herrscht Volksfeststimmung. Dank der ins Eis eingefrorenen Neon-Beleuchtung strahlen vor allem die grossen Gebäude unwirklich in der Nacht. Ein Erlebnis fürs Auge, eine Tortur für empfindliche Photographenhände.

Wir hatten alle unsere Winterkleidung eingepackt, auch noch schnell bei Decathlon weitere Handschuhe, Fleece-Sweater und lange Unterwäsche besorgt und sind losgeflogen. Doch -25° C sind irgendwie noch vieeeeel kälter. Ich meinte ursprünglich, dass wir zuviele Sachen dabei hätten – falsch gedacht. Wir zogen alles, restlos alles bis aufs letzte Kleidungsstück an und so vermummelt stolperten wir über das Gelände. Meine Kamera machte ein Wechselbad der Temperaturen mit und war durch das Tauwasser entweder patschnass oder eingefroren – und machte trotzdem klaglos prima Bilder. Ein Lob auf hochwertige Technik!

Unsere Kinder bekamen wechselweise rot und blau gefrorene Wangen, so dass wir viele Aufwärmpausen in den Teestuben, Lädchen und beheizten Toilettenhäuschen machten. Zum Esssen stürzten wir uns auf Hou-Guo, die chinesische Art von Fondue. Und einmal gingen wir natürlich auch zum Aufwärmen in eine Eisbar. Innen waren gemütliche -18°C, man sass auf Eisbänken mit Fellen belegt. Der Wodka blieb im Glas dank ausreichend Prozente flüssig, das Bier jedoch wurde aufgewärmt in hohlgefräste Eisbrocken ausgeschenkt und gefror innerhalb weniger Minuten einfach ein. :-o
Schnell trinken war die Devise. Harbin selber hat einen grossen russischen Einfluss und unter anderem eine sehr sehenswerte russisch-orthodoxe Kathedrale. Wir sind ein gutes Stück durch die Stadt gelaufen und genossen das so andere, viel mehr russische China.

Richtig warm wurde es uns allerdings am Sonntag abend: brauchte man am Freitag abend vom Flughafen bis in die Stadt rund 30 Minuten, waren es am Sonntag abend fast 2 Stunden. 10 min vor Abflug, der Check-in Schalter war natürlich schon lange geschlossen (wir machten uns auf eine Umbuchung und weitere Nacht in Harbin gefasst..) kamen wir an. Aber wir waren wohl nicht die Einzigen, die solcherlei Malheur hatten: im Laufschritt rannten wir zum Flieger, kamen völlig ausser Atem und nassgeschwitzt an – und waren 5 Minuten später in der Luft. So kann es gehen: nassgeschwitzt vom Eisfestival heimkommen :-o