Unser diesjähriger Sommerurlaub sollte einerseits ein Geschenk an meine Eltern, andererseits ein erster längerer Praxistest für unseren selbstgebauten Moggel sein. Am Nordkapp war ich zwar schon vor 18 Jahren mit dem Motorrad, aber für meine Eltern war und blieb es wegen der Sprachbarrieren für lange Zeit ein unerreichbarer Traum. Nun denn, diesen Sommer war es soweit, wir fuhren im Konvoi mit unseren Eltern und ihrer Tupperschüssel (=Wohnmobil) hin.

Die Arbeiten am Mog zogen sich natürlich hin und in den sprichwörtlichen letzten Minuten wurden noch Dinge wie Funkgerät oder Bordcomputer eingebaut. Die Stauräume luden wir mit Unmengen an Pasta, Tomatendosen und einigen Flaschen Wein (Lenggrieser Vinothek sei Dank!) voll, dann ging es an einem Sonntag morgen – begleitet von einem ordentlichen Wolkenbruch – auf in den Urlaub.

Die erste Woche verging wie im Flug – unspektakulär auf der Autobahn von Lenggries via Hamburg und Malmö bis nach Oslo. Dort kam Christin von der Arbeit nachgeflogen und der Urlaub konnte beginnen. Wir querten zuerst das norwegische Hochland (Hardanger Vidda) und fuhren in die Unesco-Weltkultur-Erben-Stadt Bergen hinein. Am dortigen Fischmarkt frönten wir den vielfältigen Meeresfrüchten, hoppelten durch das Altstadt-Kopfsteinpflaster und fuhren dann gemächlich an der Küste entlang immer weiter gen Norden. Alesund, Trollstigen, Geiranger-Fjord und Trondheim hiessen die nächsten grösseren Anlaufpunkte. Etwas verwirrend sind in den Hafenstädtchen die separaten Bus- und Taxispuren, die nach einem mir unerklärlichen System von den normalen Strassen plötzlich abzweigen bzw wieder zustossen. Gepaart mit den diversen Park- und Durchfahrtverbotzonen in den Innenstädten ist es dann gar nicht mal so leicht, dem Navi immer und überall Folge zu leisten.

Für meine Eltern im Wohnmobil war es hingegen ausserhalb der Ortschaften eine neue Erfahrung, einfach von der Strasse ein paar Meter weg ins Gemüse zu fahren und dort völlig unbehelligt eine Nacht in freier Natur zu verbringen. Und hätten wir eines Morgens nicht den Bergegurt ausgepackt, würden meine Eltern noch heute schaufeln, um wieder zurück auf die Strasse zu kommen :-)

Oftmals duschten wir uns im vorbeirauschenden Bach ab oder plätscherten morgens in See oder Meer – herrlich. Kann das Wasser auch zu kalt sein?! Die Kinder motzten zwar anfänglich, aber im Zeichen der Abhärtung waren die Argumente schnell entkräftet – jaja, wir sind Rabeneltern :-)

Das Wetter spielte über weite Strecken hervorragend mit. Die Lofoten – weit nördlich des Polarkreises als Seele Norwegens gelobt – präsentierten sich uns mit strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel, türkisfarbenem Wasser und sagenhaften 25 Grad. So weit nördlich baden?! Unmöglich?! Aber seht doch selbst die Bilder.

Das Nordkapp dagegen zeigte sich – naja, sagen wir mal – von der ehrlichen Seite: 5 Grad, starker und böiger Wind, Nebel und Nieselregen, so dass unsere Standheizung gut gefordert war und unser Fahrerhaus wegen mangelnder Isolierung einer Tropfsteinhöhle glich. Wir blieben knapp 2 Tage am Nordkapp-Center und warteten auf die Mitternachtssonne, wurden kurz belohnt und waren schliesslich froh, von diesem windigen und abweisenden Felsen herunter zu fahren. Die vielen verfrorenen Motorradfahrer taten mir dabei einfach leid – wirklich in meiner Achtung gestiegen sind jedoch die Radfahrer, welche unermüdlich gegen den Wind strampelten.

Unser Weg führte uns weiter nach Kirkenes an die russische Grenze und dann hinunter (oder war es hinauf?!) nach Lappland. Das war für uns die schönste Gegend – vermutlich lag das an dem lange vermissten Lagerfeuer und den gar nicht mal so vielen Moskitos. Oder an den völlig entspannten Rentieren, die sich von lärmenden Dieselmotoren überhaupt nicht aus der Ruhe bringen liessen. Über kleine Waldsträsschen fuhren wir langsam südwärts in Richtung Bottnischer Meerbusen und setzten schliesslich nach 3 Wochen Christin in Lulea (genau, sucht das mal auf der Karte!) wieder in den Flieger – viel zu schnell ging der gemeinsame Urlaub vorbei. Nach einer weiteren Woche Fahrt südwärts durch Schweden und über die hektischen deutschen Autobahnen rollten wir wieder in den heimischen Lindenweg und stellten fest, dass es zuhause mindestens genauso schön ist, wie in der abgeschiedenen Natur im Norden Skandinaviens – Sonne und Wochenende vorausgesetzt.

Was uns in Skandinavien auffiel und immer wieder ins Auge stach – der gemeine Norweger / Finne / Schwede fährt anscheinend gerne am frühen Morgen oder späten Abend mit seinem Auto an einen x-beliebigen Rastplatz und stopft – husch-husch – mehrere Tüten Haushaltsmüll in die Müllcontainer und macht sich geschwind wieder davon. Daher unsere verwunderte Frage: Ist Müllentsorgung so teuer?! Oder zu faul zum Mülltrennen?! Will man die Touristen zwingen, ihren eigenen Müll aufgrund überfüllter Mülltonnen weiter durch die Gegend zu fahren?!

Ansonsten war der Urlaub ohne grosse Überraschungen – abgesehen von den diversen H-Milchbeuteln, die sich entweder als Trinkjoghurt, Sauermilch oder Soya-Milch *würg* entpuppten.

Gesamtstrecke waren rund 9.700 km in 5 Wochen Fahrtzeit. Daraus ergibt sich, dass wir bis auf wenige Ausnahmen fast jeden Tag ein gutes Stück gefahren sind. Das war von uns auch so geplant und gewollt. Am späten Nachmittag machten wir uns auf Nachtplatz-Suche, meist irgendwo am Wasser. Bei gutem Wetter waren die Kids im Wasser, wir kochten dann ein lecker Mahl. Ein grosser Hit waren Pfannkuchen, Pellkartoffeln mit Quark, Minestrone, Spagetti con sugo und meine Pfannenpizzen aus Ciabatta-Brotbackmischung sowie viele grosse Salate mit frischem Brot. Insgesamt hatten wir trotz der recht grossen Fahrtstrecke nicht das Gefühl im Fahrstress zu sein. Wir haben viele Pausen gemacht, uns Einiges angeschaut und spontan auf manche Gelegenheit reagiert. Leider durften wir in Norwegen kein Feuer machen, so dass uns dort das abendliche Lagerfeuer schmerzlich abging! Aber in Finnland und Schweden kam dafür dann der Ausgleich, inklusive Stockbrot und gegrillten Marshmellows.

Unser Mog hat sich hervorragend bewährt und hat uns während der Fahrt viel Freude gemacht. Leider war der grösste Streckenanteil auf Asphalt, aber auch als Roadrunner machte unser Mog eine gute Figur. Ich fuhr meist im Tempobereich zwischen 60 (kleine Landstrasse) und 85 (Autobahn und Fernverkehr), d.h Drehzahl zwischen 1500 und 1800, max 1900 U/min – Splitgetriebe sei Dank. Der Dieselverbrauch lag wohl um die 19 Liter – mein Vorsatz ein genaues Tank- und Fahrtenbuch zu führen ist aber schon am ersten Tag auf der Strecke geblieben – ich tauge nicht zum Expeditions-Buchhalter. Ausserdem macht das dauernde Schielen auf Geldbeutel und Umrechnungskurse ja auch nicht soooo viel Spass. Aber in Einem war ich konsequent: ich habe in jedem Tunnel zum Nordkapp einmal kräftig pressluft-gehupt :-)