Das diesjährige Yogafestival in Asien fand in Thailand, etwas ausserhalb in Bangkok in einem Seminarhotel einer katholischen Diözese statt. Das stelle man sich vor: in einem buddhistischen Land, machen ausländische Kundalini Yogis (viele davon bekennende und devote Sikhs) ein Yogafestival in einem katholischen Seminarhotel. Multikulti pur :-)

Ich flog also ein und bezog ein nettes Zimmer. Das Yogafestival in Thailand war so herrlich anders als das bisher mir bekannte Yogafestival in Frankreich: ordentliche Zimmer statt Camping in feuchten Zelten, saubere Bäder statt siffige Massenduschen, superleckeres vegetarisches Thai-Buffet zur Selbstbedienung anstatt Einheitsmampf aus dem Blechnapf, enger Kontakt zu den Yogalehrern und Gurus anstatt Sonderbehandlung der Yoga-Elite im mondänen Chateau. Doch, mir hat es gefallen. Es war bequemer, kleiner, überschaubarer, familiärer, entspannter und deutlich angenehmer.

Allerdings zog Ungemach auf: die Rothemden protestierten auf den Strassen gegen die Regierung, es gab erste gewalttätige Auseinandersetzugen, die Strasse zum Flughafen wurde blockiert, es gab eine nächtliche Ausgangssperre und tausende Flüge wurden gestrichen. Ich fand das alles ärgerlich und war traurig darüber, dass Christin eben nicht zum Weissen Tantra, dem Höhepunkt des Yogafestivals, einfliegen konnte.

Aber ich war ja nicht alleine betroffen: zigtausende Touristen und Reisende sassen auf einmal fest – und wir meditierten, übten uns in Geduld und Achtsamkeit, Freundlichkeit und positiven Gedanken. Einige der ängstlichen Asiaten / Amerikaner machten sich daran, alternative Reiseroute ausfindig zu machen und charteten einen Überlandbus nach Kualu Lumpur, um von dort gen Heimat zu fliegen. Einer fuhr mit dem Taxi, Bus und Zug nach Ho Chi Minh City nach Vietnam – auch ein kleines Abenteuer.

Egal, ich fuhr erst mal mit dem Taxi zum Stadtbüro von Thai-Airways, was auch eine Odysee war, da sich der Taxifahrer nicht auskannte und das Büro kurzerhand provisorisch in eine Messehalle umgezogen wurde. Organisatorisch eine Meisterleistung und es war erstaunlich, wie gelassen und gefasst die vielen Reisenden und Thais mit der Situation umgingen. OOOOMMMMMMMM, es wird alles gut….

Das Yogafestival war nach einer Woche um, mein Heimflug gestrichen, die Situation unklar, der Flughafen gesperrt. Gut, dass ich selbstständig bin und nicht irgendwo sein MUSS. So genoss ich halt weiterhin das lecker Thaifood, ging im Pool schwimmen, lies mich massieren und telefonierte eifrig mit meinen Lieben zuhause. Trotzdem kostete jeder Tag mehr einfach Geld und Nerven – geht es jetzt los, geht es nicht los?! Wo und wie kann man fliegen?! Thai Airways arrangierte nun eine Menge provisorischer Flüge vom alten Militärflughafen irgendwo 2 Stunden südlich von Bangkok aus. Checkin war bei einem Busbahnhof in der Altstadt und mein Ersatzticket galt nur bis Hong Kong. Höhere Gewalt – aber die Kosten und den Ärger hab ich. Aber egal – traf ja nicht nur mich – jetzt erst mal aus Thailand raus, in Hong Kong sieht man dann weiter….

Es folgte nach stundenlangem Warten der Transfer mit von einer Polizeieskorte gesicherten Bussen zum Militärflughafen. Dort spielte eine Band gegen die schlechte Laune an, junge Soldaten verteilten Wasser, Konsularbeamte stempelten eifrig Visaverlängerungen in die Pässe von nervöse Badelatschen-Touristen. Schliesslich sass ich im Flieger in Hong Kong, wo ich eigentlich bei unserem Freund Arnd übernachten wollte. Doch kaum in HK angekommen erfuhr ich, dass der letzte Flug nach Shanghai noch Platz hätte und ich sofort (Laufschritt, Marsch-Marsch!) noch mitfliegen könnte. Und so kam ich doch noch kurz nach Mitternach zu Hause an (Überraschung!) und bin wieder eine Erfahrung reicher – bei Unruhen und Ärger einfach locker bleiben. Man kann eh nichts an der Situation ändern und muss sich dem Lauf der Dinge einfach fügen. Was zu lesen dabei haben ist immer gut ;-)