Insel im Nordatlantik aus Feuer und Eis, dazu ein feuchter Mix aus Wolken, Regen, Nebel und jede Menge Schafe. Und da Urlaub machen?
Was haben denn die Kinder bzw die Beste aller Ehefrauen verbrochen, um in den wenigen freien Tagen des Jahres in solch eine Ödnis verdammt zu werden?

Tja, die pure Neugierde war schuld – und das Gerücht, dass Allradfahrer auf dieser unscheinbaren und rauen Insel knapp unterhalb des Polarkreises ein kleines Paradies als grossen Spielplatz zur Verfügung hätten. Unser Vorbereitungen gingen bis ins vergangene Jahr zurück: Fähre und Flug buchen, Reiseführer kaufen. Und dann langsam viele deutsche Bücher für die Bücherkiste beschaffen. Wegen der verregneten langen Abende – dachten wir mal. Wir stellten uns auf einen Womo-Urlaub mit nasskaltem Wetter und Tee mit Rum ein. Vier Wochen an der kontinentalen Nahtstelle zwischen Europa und Amerika, schön beheizt von Thermalquellen und Golfstrom, belehrten uns allerdings eines Besseren: Island ist anders, Island ist besser, Island war – Überraschung! – Badeurlaub. Meine Badehose wurde kaum trocken und wir waren mehr als angenehm von der guten Infrastruktur, den vielen natürlichen Hot Pots und günstigen, sowie reichlich vorhandenen Thermalbädern überrascht. Luxus hat für uns eine neue Definition bekommen: ein Übermass an sauberem und angenehm warmen Wasser – herrlich.

Als grossen Glücksfall möchte ich bemerken, dass wir auf dem Campingplatz von Reykjavik Sven Struman getroffen haben. Er hat ein kleines Island-Reisebüro und ist ein Forumskollege aus dem Allrad-LKW-Forum. Wir verbrachten 2 nette Abende und Sven nannte uns selbstlos viele Tipps und Hinweise.
Wir markierten diese auf einer Karte und fuhren mit unserem Unimog die genannten Sehenswürdigkeiten in knapp 4 Wochen mehr oder weniger gemütlich ab – und haben damit die meisten Highlights Islands sehen können. Dazu hatten wir (tja, wenn Englein reisen….) auch noch meistens Glück mit dem Wetter.

Im Prinzip fuhren wir in einer grosse Acht 2 x um Island herum. Da Christin und Natalie zeitbedingt mit dem Flieger kamen und gingen, mussten wir 2x Reykjavik ansteuern. Hier unsere grobe Route (nein, es gibt keinen GPS-Track zum Nachfahren…):
Anfahrt Deutschland – Dänemark bis Hanstholm – Verschiffung nach Seydisfjördur im Osten Islands – Ringstrasse nach Reykjavik – Abstecher nach Landmannalauger – Abholung Christin und Nat – Besichtigung Reykjavik – Golden Circle (Pingvellir – Geysir – Gullfoss) – Snaefallness – Westfjorde – Papageitaucher – Robben – Vogelfelsen an der Nordküste – Hochlandquerung bis an die Südküste – Fahrt auf Ringstrasse nach Egilsstadir und weiter zur Askja – Fahrt nach Norden zum Dettifoss und weiter an die Nordküste – Myvatn – Whale watching in Husavik – Akureyri – Hochlandquerung auf der Sprengisandur – Landmannalauger – Blauge Lagune – Heimflug Christin und Natalie – Fahrt über Hekla und Südküstenringstrasse wieder nach Seydisfjördur – Verschiffung nach Dänemark und Heimfahrt.

Gesamt waren das rund 9500 km, davon geschätzt 2000 km Pisten und Schotter-Wellblech-Strassen, rund 100 km wirklich schlechter Zustand und echter Allradeinsatz. Wir haben – fein säuberlich gezählt – 163 Furten (OK, 150 davon waren Fürtchen..) gequert und an der berühmt-berüchtigten Blanda-Furt nach einen halbherzigen Eintauchversuch gekniffen. Auch ein Unimog bzw des Fahrers Mut und Hose haben Grenzen und ausserdem: ‘Better safe than sorry..’.

Insgesamt war es ein toller Urlaub, wir hatten meistens gutes Wetter und die Schäden haben sich auf 3 durchgerüttelte Scheinwerferbirnen, 3 losvibrierte Schrauben sowie einige Schnitte und Kratzer an den Reifen beschränkt.
Fazit dieser Reise: wir wollen gerne wiederkommen, dann aber mit mehr Zeit. Allerdings nicht so bald – so ein schöner Urlaub lässt sich schwer toppen und jeder nachfolgende Vergleichsurlaub im gleichen Land müsste uns schal vorkommen.